Ausbildung oder Studium: Welcher Berufseinstieg ist der richtige?

Warum die Entscheidung zwischen Ausbildung und Studium so wichtig ist

Das Ende der Schulzeit markiert den Beginn einer der wichtigsten Entscheidungen Ihres Lebens: Starten Sie mit einer Ausbildung direkt ins Berufsleben oder wählen Sie den Weg über ein Studium? Beide Optionen bieten attraktive Chancen, unterscheiden sich jedoch stark in Bezug auf Praxisnähe, Verdienstmöglichkeiten, Karrierewege und persönliche Entwicklung.

Wir unterstützen Sie dabei, fundiert und selbstbewusst die richtige Wahl zu treffen. Sie erfahren, welche Voraussetzungen, Ziele und Stärken für eine Ausbildung sprechen und wann ein Studium die bessere Investition in Ihre Zukunft ist. Mit klaren Vergleichen, realistischen Einschätzungen und praxisnahen Beispielen erhalten Sie eine zuverlässige Orientierung für Ihren individuellen Berufseinstieg.

Das Wichtigste in Kürze 

  • Ausbildung und Studium sind zwei gleichwertige, aber sehr unterschiedliche Bildungswege: Während die Ausbildung stark praxisorientiert ist und früh ein eigenes Einkommen ermöglicht, vermittelt ein Studium vor allem theoretisches Fachwissen und eröffnet langfristig oft breitere Karrierechancen.
  • Die erste Bildungsentscheidung beeinflusst Einkommen, Karrierewege und Jobsicherheit, ist jedoch nicht endgültig: Über Fort- und Weiterbildungen, den zweiten Bildungsweg oder ein späteres Studium lassen sich Qualifikationen und Aufstiegschancen jederzeit erweitern.
  • Im Durchschnitt erzielen Personen mit Studium ein höheres Lebenseinkommen als Fachkräfte mit Ausbildung, allerdings verdienen Auszubildende bereits während der Qualifizierung Geld und sammeln früh Berufserfahrung, was finanzielle Vorteile in den ersten Berufsjahren bringt.
  • Nicht der Schulabschluss, sondern die persönliche Eignung ist entscheidend: Lernstil, Motivation, Praxis- oder Theorieorientierung und berufliche Interessen sollten stärker gewichtet werden als der klassische Bildungsweg.
  • Kombinationsmodelle wie das duale Studium verbinden Theorie und Praxis und bieten eine attraktive Alternative für alle, die sowohl akademische Abschlüsse als auch Berufserfahrung anstreben.

Nach dem Abschluss: Studium oder Ausbildung?

Jedes Jahr stellen sich knapp eine Million Absolvent*innen die Frage nach der richtigen Berufswahl. Zur Wahl stehen dabei in der Regel die praktisch orientierte Berufsausbildung in einem der 320 staatlich anerkannten Ausbildungsberufe oder ein Studium an einer der 420 Hochschulen im Land, um vorwiegend theoretisches Fachwissen zu erwerben. Die Karrierechancen sind, gemessen am Einkommen, nach einem Studium höher als nach einer Ausbildung. 

Rund 60 Prozent aller Schüler*innen wählen eine Ausbildung. Die Zahl der Studierenden steigt allerdings kontinuierlich an. Für die Wahl der ersten Bildungsentscheidungen sind Ausbildungsarten (theoretisch/praktisch) sowie spätere Einkommenshöhen sowie die Chancen auf dem Arbeitsmarkt entscheidend. 

Der Weg in die Erwerbstätigkeit wird oft in Zusammenhang mit dem erreichten Schulabschluss gesehen:

  • Gymnasiast*innen studieren
  • Realschüler*innen wählen eine Lehre vorrangig in Dienstleistungsberufen
  • Haupt-/Gesamtschüler*innen beginnen eine Ausbildung im Handwerk

Die Entscheidung für die spätere Berufsqualifikation ist aber längst nicht so festgeschrieben, wie es scheint. Haupt- und Gesamtschüler*innen können sich über den zweiten Bildungsweg im Laufe der Zeit für ein Studium qualifizieren und ihre Karrierechancen deutlich steigern. Abiturient*innen, die gern praktisch arbeiten, wählen vielleicht lieber einen Handwerksberuf, statt das gesamte Arbeitsleben vorwiegend theoretisch zu bleiben.

Wichtiger als die typische Laufbahn passend zum Schulabschluss sollte für Sie daher die Frage sein: Was passt zu mir und welche Tätigkeit möchte ich später in meinem Erwerbsleben ausüben? 

Warum muss ich mich direkt entscheiden?

Die Wahl der ersten Bildungsentscheidung beeinflusst zunächst:

  • ob und wenn ja, wie viel Geld Sie während der Ausbildungsphase zur Verfügung haben
  • welche Karrierepfade Ihnen unmittelbar (sofort) oder nach Fort- und Weiterbildung offen stehen
  • wie groß das Lebenseinkommen ausfällt
  • wie groß die Wahrscheinlichkeit für Arbeitslosigkeit in Ihrer Branche ist
  • wie flexibel Sie auf Arbeitsmarktveränderungen reagieren können

Ich kann mich jetzt noch nicht entscheiden. Was tun?

Falls Ihnen die Wahl zwischen Ausbildung und Studium direkt nach dem Schulabschluss (noch) schwerfällt, dann lässt sich die Zeit bis zur finalen Entscheidung sinnvoll überbrücken: 

  • Gap-Year mit oder ohne Auslandsaufenthalt
  • Freiwilliges Soziales Jahr/Bundesfreiwilligendienst
  • Wehrdienst
  • Jobben zur Orientierung (ab 18 Jahren)

Daraus ergibt sich manchmal auch ein direkter Berufseinstieg ohne qualifizierende Ausbildung, an die sich später Aus- und Weiterbildungen anschließen. Auch über den zweiten Bildungsweg einige Jahre nach dem Schulabschluss lassen sich Qualifikationen für die darauffolgende Erwerbstätigkeit erzielen.

Einkommensaussichten nach Ausbildung oder Studium

In Politik und Forschung wird häufig anhand des höchsten Bildungsabschlusses vorhergesagt, welche Karrierechancen für einzelne Personengruppen bestehen. Bildungspfade sind aber selten linear – deshalb ist es sinnvoller, von der ersten Bildungsentscheidung (Ausbildung vs. Studium) zu sprechen (wie Forschende des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung e. V. der Universität Tübingen anführen).

Abhängig von der ersten Bildungsentscheidung verteilt sich das zu erwartende durchschnittliche Lebenseinkommen folgendermaßen:

  • bis zu 700.000 € für Personen ohne qualifizierenden Berufsabschluss
  • bis zu 1.200.000 € für Personen mit Berufsausbildung
  • bis zu 1.400.000 € für Personen mit Hochschulabschluss/Meister*in/Techniker*in

Die Summen sind aber stark von der Wahl der Branche sowie davon abhängig, ob Erwerbsunterbrechungen für Sorgearbeit oder durch Krankheit entstehen. Im Schnitt verdienen Frauen lt. Bertelsmann Stiftung knapp die Hälfe dessen, was Männer mit vergleichbaren Qualifikationen einnehmen (Gender Lifetime Earnings Gap) – und das unabhängig von der ersten Bildungsentscheidung!

Wichtig: Das Lebenseinkommen ist die Summe aller Einkünfte, die eine Person im Laufe ihres Lebens verdient. Dafür werden alle Brutto-Jahresgehälter addiert. Ist die erste Bildungsentscheidung zugunsten einer Ausbildung gefallen, zählt das Ausbildungsgehalt bereits mit und die Summe steigert sich konstant über die Ausbildungs- und Arbeitsjahre hinweg. Studierende starten dagegen erst später mit relevanten ersten Bruttogehältern.

Was ist eine Ausbildung?

In Deutschland beschreibt die Ausbildung einen überwiegend praxisbezogenen Bildungsweg, um einen spezifischen, staatlich anerkannten Beruf zu erlernen. Ausbildungen sind wahlweise:

  1.  dual durch eine Kombination aus Berufspraxis im Betrieb plus Berufsschulzeiten (Blockunterricht/Wochenunterricht)
  2. rein schulisch, oft ergänzt durch Praktika

Ausbildungen dauern je nach Branche 2,5 bis 3 Jahre und enden mit einer Abschlussprüfung, im Handwerk auch Gesellenprüfung genannt. 

60 Prozent der Schulabgänger*innen beenden die Schulzeit mit einem Haupt-/Gesamt- oder Realschulabschluss (Statistik der Arbeitsagentur 2023).

Welche Zugangsvoraussetzungen gibt es für Ausbildungen?

In der Regel ist mindestens ein erster oder mittlerer Bildungsabschluss nötig, um eine Ausbildungsstelle zu erhalten. Nur rund drei Prozent aller Ausbildungsverträge werden mit Jugendlichen ohne qualifizierenden Schulabschluss abgeschlossen. 

Für schulische Ausbildungen können abhängig von der gewählten Branche zusätzliche Anforderungen gelten:

  • Eignungstest
  • Vorpraktika
  • Gesundheitszeugnisse (Gesundheitswesen)
  • erweitertes polizeiliches Führungszeugnis (Erziehungsberufe)
  • kreative Mappen/Projektmappen

Welche Regelwerke greifen für Ausbildungen?

Das Bundesinstitut für Berufsbildung führt ein Verzeichnis aller 320 staatlich anerkannten Ausbildungsberufe. Im jährlich neu erscheinenden Regelwerk erfahren Sie außerdem:

  • welche Ausbildungsdauer inklusive Berufsschul- und Praxisteil vorgeschrieben ist
  • welche Rechtsgrundlagen pro Branche/Beruf greifen
  • welche Niveaustufen im Rahmen des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) bei Aus- und Fortbildungsberufen gelten

Für Jugendliche unter 18 Jahren muss die Ausbildung außerdem Bestimmungen aus dem Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) einhalten. Jede Branche erlässt eigene Ausbildungsordnungen. Ist der Betrieb tarifgebunden, gelten zusätzlich die Bestimmungen des Tarifverbands.

Diese Formalien dienen dazu, dass sich Auszubildende unabhängig vom Ausbildungsunternehmen und dem Standort darauf verlassen können, dass alle zum Berufsbild notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten gesichert vermittelt werden.

Was sind die Vor- und Nachteile einer dualen/schulischen Ausbildung?

Bei der Entscheidung für eine Ausbildung spielen der starke Praxisbezug sowie die Ausbildungsvergütung meist eine große Rolle. Daneben gibt es aber noch weitere Faktoren, die Sie bei der Entscheidung beachten sollten.

Vorteile Ausbildung

Nachteile Ausbildung

starker PraxisbezugVollzeitbeschäftigung mit (relativ) wenig Freizeit
sofortige Vergütung/eigenes Einkommen (duale Ausbildung)Schulgeld (schulische Ausbildung)
klare Strukturen & Vorgaben zur TätigkeitAufstiegschancen begrenzt
hohe ÜbernahmechancenEinkommensaussichten insgesamt geringer

Universitäten und Fachhochschulen sind meist in Ballungsgebieten angesiedelt, für die Studierende oft von daheim ausziehen müssen. Auszubildende haben eher die Chance, einen kleineren Ausbildungsbetrieb in der Nähe des elterlichen Wohnsitzes zu finden. In diesem Falle wird kein Umzug nötig und als Lehrling sparen Sie sich Miete & Co.

Wichtig: Wenn Sie für die Ausbildung von zu Hause ausziehen müssen und das Ausbildungsgehalt die Lebenshaltungskosten nicht ausreichend deckt, können Sie Ausbildungsbeihilfe (BAB) beantragen. 

Die folgende Checkliste hilft Ihnen dabei, schnell einzuschätzen, ob eine praxisnahe Berufsausbildung gut zu Ihren Erwartungen, Stärken und Zielen passt. Je häufiger Sie innerlich mit Ja antworten, desto wahrscheinlicher ist es, dass dieser Bildungsweg für Sie geeignet ist.

  • Sind Sie froh, die Schule mit all ihrer Theorie hinter sich zu lassen?
  • Arbeiten Sie gern praxisbezogen?
  • Bevorzugen Sie klare Lern- und Arbeitsstrukturen, bei denen Sie Anleitung und Unterstützung durch die Ausbilder*innen erhalten?
  • Möchten Sie sofort Geld verdienen/mit eigenem Einkommen starten?

Wenn Sie mehrere dieser Punkte bejahen können, bietet Ihnen eine Ausbildung einen strukturierten und wirtschaftlich sinnvollen Einstieg ins Berufsleben.

Was ist ein Studium?

Ein Studium ist eine Ausbildung mit akademischem Fokus an Universitäten oder Hochschulen, die mit einem Bachelor, Master oder dem Staatsexamen abschließen kann. Die Dauer hängt vom angestrebten Abschluss ab:

  • circa 3-4 Jahre Bachelor of Arts (B. A.)/Bachelor of Science (B. Sc.)
  • + circa 2 weitere Jahre Master of Arts (M. A.)/Master of Science (M. Sc.)

In einigen Berufsfeldern (Gesundheits-/Rechtswesen, Bildung) folgen darauf Referendariats-Phasen sowie Staatsexamen als Abschlussprüfung.

Rund ein Drittel aller Schulabgänger*innen entscheidet sich direkt nach dem Schulabschluss für ein Studium, Tendenz steigend. Neben den insgesamt besseren Einkommenschancen sprechen für die Aufnahme eines Studiums vor allem:

  • tiefergehende fachliche Bildung
  • Zugang zu bestimmten Berufsbildern
  • insgesamt niedrigere Arbeitslosenquoten
  • höheres Ansehen in der Bevölkerung

Über das grundständige Bachelorstudium wird eine erste akademische Ausbildung erreicht. Für bessere Karrierechancen ist meist die Fortführung des Studiums bis zum Master notwendig.

Staatsexamen als Sonderfall

Einige Berufe werden aufgrund ihrer Bedeutung für die Öffentlichkeit besonders stark reguliert. Das betrifft insbesondere:

  • Ärzt*innen
  • Pharmazeut*innen
  • Jurist*innen
  • Lehrkräfte
  • teils höhere Beamtenstellen (Forstwirt*innen, Archivar*innen)
  • Wirtschaftsprüfer*innen

In diesen Berufen ist es erforderlich, das Studium mit einem Staatsexamen abzuschließen. 

Erst über die Approbation (staatliche Zulassung) können diese streng regulierten Berufe ausgeübt werden. Ausnahmen bestehen nur für Fachkräfte, die ihre Qualifikationen im Ausland erworben haben. 

Gut zu wissen: Ärzt*innen dürfen ohne Doktortitel (Dr. med.) praktizieren, sofern sie das Studium mit Staatsexamen abgeschlossen haben. Andersherum ist ohne Approbation eine Tätigkeit als Arzt oder Ärztin ausgeschlossen.

Welche Voraussetzungen gelten für die Aufnahme eines Studiums?

Grundsätzlich wird für die Aufnahme eines Studiums die allgemeine Hochschulreife verlangt. Sie wird an (beruflichen) Gymnasien über das Abitur als höchsten Schulabschluss erlangt und berechtigt zur akademischen Ausbildung an Universitäten und Fachhochschulen in allen Studiengängen. 

Die fachgebundene Hochschulreife limitiert den Zugang zu Studiengängen auf die Fachrichtungen, für die die Hochschulreife erlangt wurde. Zu den gängigen Fachschwerpunkten zählen in der Regel Wirtschaft, Technik oder Soziales, die über einen Besuch der Fachoberschule (FOS) oder die Berufsoberschule (BOS) belegt werden können. Die fachgebundene Hochschulreife wird oft im Anschluss an eine erfolgreich absolvierte Ausbildung erworben.

Die allgemeine Fachhochschulreife (Fachabitur) grenzt den Zugang zur akademischen Bildung weiter ein, indem das Studium nur an Fachhochschulen innerhalb der dort angebotenen Studiengänge aufgenommen werden kann. Die Vorbereitung auf den Abschluss erfolgt dafür an Fachhochschulen und ist durch einen größeren Praxisanteil gekennzeichnet. 

Welche Regelwerke gelten für ein Studium?

Auf Bundesebene gilt das Hochschulrahmengesetz (HRG), welches auf Landesebene durch jeweils eigene Hochschulgesetze präzisiert wird.

Viel relevanter sind aber die hochschuleigenen Regelwerke: 

  • Immatrikulationsordnung: Regelung für Einschreibung = Immatrikulation und Rückmeldung
  • Studienordnung/Studienverlaufsplan: Studienablauf, Inhalte und Ablauf der Module
  • Prüfungsordnung: Regelung zu Prüfungen, Prüfungsformen, Wiederholungen, Abschlussprüfungen

Zusätzliche Regelungen finden sich in der Satzung der jeweiligen Hochschule. 

Tipp: Das Studierendenwerk berät bei Fragen zu Prüfungen und dazu, welche Regelungen beispielsweise bei einem Studium in Teilzeit oder bei einem Nachteilsausgleich greifen.

Was sind die Vor- und Nachteile eines Studiums?

Im Kern erfordert ein Studium ein höheres Maß an eigenverantwortlichem Lernen. Gleichzeitig ist es aber auch so flexibel, dass sich individuelle Vorstellungen für den Tages- und Semesterablauf viel besser abbilden lassen. 

Vorteile Studium

Nachteile Studium

(relativ) freie Zeiteinteilung verzögerter Berufseinstieg
eigenständige Lern- und Arbeitsorganisationerforderliche Eigenständigkeit kann überfordernd sein
bessere Karrierechancen Studiengebühren & kein eigenes Einkommen 
Chancen auf höheres Einkommengeringer/kein Praxisbezug für späteren Beruf

Wichtig: Als Student*in haben Sie Anspruch auf Bafög oder zinslose Bildungskredite (KfW), wenn Ihre Eltern Sie nicht oder nicht in vollem Umfang finanziell unterstützen können. Die Antragstellung beim Amt für Ausbildungsförderung ist in Papierform und online möglich.

Was sind die Vor- und Nachteile eines Studiums?

Im Kern erfordert ein Studium ein höheres Maß an eigenverantwortlichem Lernen. Gleichzeitig ist es aber auch so flexibel, dass sich individuelle Vorstellungen für den Tages- und Semesterablauf viel besser abbilden lassen. 

Vorteile Studium

Nachteile Studium

(relativ) freie Zeiteinteilung verzögerter Berufseinstieg
eigenständige Lern- und Arbeitsorganisationerforderliche Eigenständigkeit kann überfordernd sein
bessere Karrierechancen Studiengebühren & kein eigenes Einkommen 
Chancen auf höheres Einkommengeringer/kein Praxisbezug für späteren Beruf

Wichtig: Als Student*in haben Sie Anspruch auf Bafög oder zinslose Bildungskredite (KfW), wenn Ihre Eltern Sie nicht oder nicht in vollem Umfang finanziell unterstützen können. Die Antragstellung beim Amt für Ausbildungsförderung ist in Papierform und online möglich.

Mini-Checkliste: Wann eignet sich ein Studium für mich?

Diese kurze Checkliste unterstützt Sie dabei, einzuschätzen, ob ein akademischer Bildungsweg zu Ihrem Lernstil, Ihrer Motivation und Ihren beruflichen Zielen passt. Beantworten Sie die Aussagen möglichst ehrlich für sich.

  • Lernen und vertiefen Sie sich gern in Inhalte?
  • Können Sie sich gut selbst zum Lernen motivieren?
  • Arbeiten Sie gut unter Stress und schaffen es auch in Prüfungssituationen, konstant optimale Leistungen zu erbringen?
  • Betrifft Ihr Berufswunsch Fächer, für die ein Studium notwendig ist?

Treffen diese Punkte überwiegend auf Sie zu, bietet ein Studium eine passende Grundlage für Ihre fachliche und berufliche Entwicklung.

Das Beste aus beiden Welten: duales Studium

Ein duales Studium kombiniert die akademische Ausbildung an einer Hochschule oder einer Berufsakademie mit intensiven Praxisphasen in einem Unternehmen. Am Ende wird neben dem akademischen Abschluss wie einem Bachelor auch ein anerkannter Ausbildungsabschluss erworben. 

Für das duale Studium werden die gleichen Zugangsvoraussetzungen wie für ein reines Studium angewandt. Dazu kommt der Bewerbungsprozess bei den Unternehmen, die ein duales Studium anbieten: Neben guten Noten in den wichtigen Fächern werden oft auch Assessmentcenter-Tests oder Vorpraktika erwartet.

Der große Vorteil des dualen Studiums ist die Kombination von Theorie und Praxis. Studierende erhalten außerdem ein monatliches Gehalt über das Unternehmen, in dem die Praxisphasen absolviert werden.

Als großer Nachteil erweist sich die geringere Auswahl an Studiengängen und dazugehörigen freien Stellen bei Partnerunternehmen. 

Insgesamt entwickelt sich diese Nischenausbildung aber stetig weiter, die Zahl der dual Studierenden hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen (Bericht Bundesinstitut für Berufsbildung 2025).

Persönliche Voraussetzungen: Was passt besser zu mir?

Folgende Orientierungsfragen können Ihnen dabei helfen, sich über die anstehende erste Bildungsentscheidung klar zu werden. 

  1. Welche Schulfächer und Tätigkeiten bereiten mir große Freude?
    Lesen/Lernen, Sport, EDV/Programmieren, Handwerken
  2. Wo liegen meine Stärken, wo liegen meine Schwächen?
    Selbstorganisation, Motivation, Prokrastination, Theorie- vs. Praxisorientierung
  3. Welche Fähigkeiten möchte ich noch weiter ausbauen?
    Fachwissen, praktische oder handwerkliche Fähigkeiten
  4. Wie lerne ich am besten? 
    selbstständig, in Anleitung, in Gruppen, allein
  5. Benötige ich einen festen Rahmen/Anleitung zur Aufgabenerledigung?
  6. Wie gut kann ich mit Routineaufgaben oder rein theoretischen Themen umgehen?
  7. Wie stelle ich mir einen guten Arbeitstag in Zukunft vor? 
    Handwerks-/Dienstleistungsalltag, Bürojob, kreative oder handwerkliche Aufgabenstellungen
  8. Was motiviert mich wirklich?
    Geld, Anerkennung, Sicherheit, sinnstiftende Tätigkeiten
  9. Welche Werte sind mir im Leben wichtig? 
    gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Einfluss/Macht, stetiger Wissenserwerb, Verantwortung
  10. Welche Situationen in der Schule haben mich bisher gefordert? 
    Prüfungen, Gruppenarbeiten, Langzeitprojekte

Tipp: Die Agentur für Arbeit bietet den Check-U an, einen Test zur Berufsorientierung. 

Für eine wohlüberlegte Entscheidung bieten sich außerdem diese Schritte zur Entscheidungsfindung an: 

  1. Praktika im ausgewählten Berufsfeld
  2. Gespräche mit Betrieben/Unternehmen
  3. Gespräche mit Azubis/Studierenden, um Fehlentscheidungen zu minimieren
  4. Berufsberatung bei der Agentur für Arbeit

Im direkten Vergleich: Studium vs. Ausbildung 

Die folgende Übersicht stellt Ausbildung und Studium anhand der wichtigsten Kriterien gegenüber und macht die zentralen Unterschiede auf einen Blick sichtbar. So erkennen Sie schnell, welcher Bildungsweg besser zu Ihren persönlichen, finanziellen und beruflichen Erwartungen passt.

 AusbildungStudium
Voraussetzungeni. d. R. Schulabschluss(Fach-)Hochschulreife*
Dauer2,5-3 Jahre3-5 Jahre
Praxis- vs. Theorie-Anteil80 Prozent Praxis, 20 Prozent Theorieüberwiegend Theorie mit praktischen Anteilen (Pflichtpraktika)
Kostenduale Ausbildung: keine Kosten**
schulische Ausbildung: Kosten variieren
Semesterbeitrag 100 € - 400 €/Semester***
FinanzierungAusbildungsgehalt, Kindergeld, Unterhaltsleistung der Eltern, eventuell BABduales Studium: Ausbildungsgehalt/Zuschuss des Betriebs, Kindergeld, reines Studium: Kindergeld, Unterhaltsleistung der Eltern, eventuell Bafög
Vergütungduale Ausbildung: abhängig vom Unternehmen
schulische Ausbildung: keine
duales Studium: branchenübliche Vergütung
reines Studium: keine
Abschluss & AnerkennungFacharbeiter*in, Abschluss lt. Berufsbezeichnungvon Bachelor bis Master
Flexibilitätgeringhöher
Abbruchrisiko geringerhöher


*Qualifizierung für bestimmte Studiengänge über fachlich passende Ausbildungen/anerkannte Fort- und Weiterbildungen für mittlere Bildungsabschlüsse unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls möglich.

**Abhängig von Ausbildung & Betriebsvereinbarung kommen Kosten für Wege zur/von der Berufsschule, für Übernachtungen im Wohnheim & Verpflegung dazu.

***Staatliche (Fach-)Hochschulen, Gebühren für private Hochschulen teils deutlich höher.

Gehalt und finanzielle Perspektiven: Einstiegsgehälter bei Studium und Ausbildung

Studierende verdienen während des Studiums in der Regel kein Geld mit der Ausbildung. Werkstudierendentätigkeiten, Praktika oder Nebenjobs können zur Finanzierung des Lebensunterhalts beitragen. 

Das Einstiegsgehalt nach Studienende beträgt durchschnittlich für Vollzeittätige:

  • 4.551€ (Bachelor)
  • 6.188 € (Master)

Aufgrund der längeren Schuldauer (12/13 Schuljahre) sowie der Studiendauer von 3-5 Jahren starten Sie nach einem Studium als erster Bildungsentscheidung erst mit Mitte 20 in die reguläre Erwerbstätigkeit.

Entscheiden Sie sich für eine Ausbildung, dann erhalten sie bereits während der Berufsausbildung Gehalt, das in der Regel jährlich ansteigt. Das Statistische Bundesamt beziffert das durchschnittliche monatliche Ausbildungsgehalt mit 1.238 € (Destatis 2025). Das Gehalt unterscheidet sich abhängig von der Branche, wobei Handwerksberufe sowie Gesundheits- und Pflegeberufe eher im oberen Bereich mit bis zu 1.300 €/Monat angesiedelt sind. 

Nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung starten Berufsanfänger*innen mit durchschnittlich 3.521 € monatlich. Zum Vergleich: Ohne beruflichen Ausbildungsabschluss beträgt das Einstiegsgehalt durchschnittlich 2.817 €.

Das Einkommen erhöht sich durch Weiterqualifikationen – mit einem Meister*in-, Techniker*in- oder Fachschulabschluss kommen Sie auf durchschnittlich 4.826 €.

Karrierechancen für Studierende und Auszubildende

In der Ausbildung legen Sie sich zunächst auf einen bestimmten Beruf fest. Abhängig von der Branche und den allgemeinen beruflichen Chancen sind die Karrierepfade etwas begrenzter als im direkten Vergleich zum Studium. Im Laufe der Erwerbstätigkeit lässt sich das Berufsfeld aber durch Fort- und Weiterbildungen sowie praktische Erfahrungen erweitern. Als Quereinsteiger*in in andere Branchen ist oft nur eine abgeschlossene Berufsausbildung nötig, ohne eine zwingende thematische Passung.

In einigen konkreten Branchen herrscht ein ausgewiesener Fachkräftemangel, insbesondere: 

  • bei Gesundheitsberufen
  • im Sozialwesen
  • in Elektro- und allgemeinen Handwerksberufen

Pfleger*innen, Maurer*innen, Installateur*innen und Co. sind gefragt und können sich in der Regel über gute Optionen auf dem Arbeitsmarkt freuen.

Nach einem Studium verfügen Sie in der Regel von Anfang an über eine etwas breitete Ausrichtung, sodass sich viele verschiedene Berufspfade eröffnen. Über Fort- und Weiterbildungen erwerben Sie Spezialisierungen, die Ihre Karrierechancen zusätzlich erhöhen. Die Arbeitslosenquote unter Akademiker*innen steigt allerdings seit kurzem leicht an und liegt derzeit bei knapp 2,9 Prozent (Stand: 2025).

Mit einer Kombination von Ausbildung und anschließendem (berufsbegleitendem) Studium lässt sich das Beste aus beiden Bildungswegen zusammenführen. Dann bringen Sie für künftige Arbeitgeber*innen sowohl die berufspraktische Erfahrung als auch das vertiefte akademische Wissen in Ihre Tätigkeit mit ein. 

Fazit

Die erste Bildungsentscheidung für oder gegen Ausbildung und Studium stellt die Weichen für weitere entscheidende Karriereschritte. 

  • Eine Ausbildung legt den Fokus auf die Praxis, durchbrochen von geringeren Anteilen an schulischen Inhalten.
  • Das Studium vermittelt eher theoretisches tiefergehendes Fachwissen, praktische Anteile für konkrete Tätigkeiten nach dem Abschluss fallen geringer aus.
  • Die Einkommensunterschiede für Fachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung und Personen mit Studienabschluss sind relativ groß – auf das gesamte Erwerbsleben bezogen.
  • Über Fort- und Weiterbildungen sowie berufsqualifizierende Maßnahmen lassen sich die Karrierechancen deutlich steigern.
  • Ausbildung oder Studium wird häufig als gegensätzlicher Karrierepfad betrachtet, dabei lassen sich beide Optionen gut kombinieren.

So wichtig die erste Bildungsentscheidung auch ist: Lebenslanges Lernen ist die beste Option, um sich auf die Herausforderungen einer sich wandelnden Arbeitswelt optimal einzustellen. 

Häufige Fragen und Antworten zum Thema Studium oder Ausbildung

  • Ist ein Studium heute noch notwendig?

    Für bestimmte Berufsgruppen wie Ärzt*in, Jurist*in oder auch für den höheren Staatsdienst ist ein Studium Tätigkeits- und Einstellungsvoraussetzung. 

    Durch den Fachkräftemangel besteht ein steigender Bedarf an Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung, vor allem für Gesundheits- und Handwerksberufe.

  • Was ist besser: Ausbildung oder Studium?

    Jede Bildungsentscheidung hat sowohl Vor- als auch Nachteile. Ein besser oder schlechter ist in diesem Fall kaum zu benennen, denn:

    • Bildungsentscheidungen sind bis zu einem gewissen Grad veränderbar (2. Bildungsweg, Fort- und Weiterqualifikationen).
    • Akademiker*innen und Fachkräfte können arbeitslos werden oder auch bis zur Rente durchgehend beschäftigt sein.
    • Über Zulagen und Weiterqualifikation zur Meisterin/zum Meister lassen sich Einkommenshöhen auf akademischem Niveau erreichen.
  • Ausbildung oder Studium: Was passt besser zu mir?

    Diese Frage ist ganz individuell zu beantworten und orientiert sich daran, ob Sie:

    • lieber theoretisch oder praktisch arbeiten
    • sofort oder später eigenes Einkommen haben möchten
    • sich auf ein konkretes Berufsfeld oder auf eine breitere Qualifikation einlassen möchten

    Die stärker regulierte Ausbildung ist eher für Menschen geeignet, die ein konkretes Regelwerk und konstante Anleitung benötigen. Das Studium dagegen erfordert mehr Eigenständigkeit und stetige Motivation, um es bis zum Abschluss zu bringen.

  • Welche Alternativen gibt es zur klassischen Ausbildung?

    Neben der klassischen dualen Ausbildung können Sie sich auch für verschiedene andere Karrierepfade entscheiden: 

    • schulische Ausbildung
    • Studium nach erfolgter abgeschlossener Berufsausbildung
    • duales Studium 

    Ein FSJ/BFD oder ein Gap-Year zur Überbrückung bietet Orientierung, wenn Sie sich (noch) nicht für eine bestimmte Ausbildung oder für ein Studium entscheiden können. 

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