Vokabeln lernen leicht gemacht: Die besten Tipps und Methoden

Wie lerne ich am besten Vokabeln?

Die einen hassen es, die anderen lieben es, sich eine neue Sprache über lange Wortlisten zu erarbeiten. Wer nicht besonders gut im auswendig lernen ist, stößt aber schnell an seine Grenzen. Dabei gibt es zahlreiche und recht unterschiedliche Methoden, um Vokabeln zu lernen. Wir haben die besten Tipps für Sie zusammengefasst. 

Inhaltsverzeichnis:

Das Wichtigste in Kürze
Vokabeln lernen zum Spracherwerb
Die besten Methoden
Besser lernen Tipps
Fazit
Häufige Fragen

Das Wichtigste in Kürze

  • Um eine Sprache zu lernen, sind zwischen 500 bis über 6.000 Wörter (Vokabeln) notwendig.
  • Der Lernumfang ist abhängig vom Zweck des Lernens: Für gelegentliche Reisen genügt ein Basiswortschatz. Im beruflichen Kontext dagegen ist ein ausgereifter und auf das Interessensgebiet abgestimmter Umfang notwendig, um sich flüssig zu verständigen.
  • Vokabeln zu pauken fällt vielen Menschen schwer. Gehirngerechte Übungen und eine Mischung aus schriftlichen und audiovisuellen Lernmethoden machen das Lernen leichter.
  • Damit das Lernen gelingt, müssen Vokabeln kontextbezogen erarbeitet und stetig wiederholt werden. Bewährte Methoden wie der Karteikasten passen nicht immer zum individuellen Lerntyp.
  • Am Ende entscheidet die Motivation zusammen mit den individuell passenden Methoden, ob sich der Vokabelwortschatz nachhaltig im Langzeitgedächtnis verankert und bei Bedarf gut abgerufen werden kann.

Vokabeln lernen zum Spracherwerb – die Grundlagen

Jede Sprache hat einen gewissen Grundwortschatz, mit dem sich sicher durch den Alltag navigieren lässt. Neben Grammatik und Aussprache sind es vor allem die Vokabeln, welche die Basis legen.

Dabei hängt die erforderliche Menge an Vokabeln davon ab, welches Ziel Sie anstreben. Wollen Sie eine bestimmte Region besuchen und sich dort in der Landessprache verständigen können? Oder sind schulische und berufliche Ziele gesteckt, mit denen Sie konkrete Abschlüsse wie Abitur oder Sprachzertifikate wie DELF/DALF (Französisch), DELE/TELC (Spanisch), GMAT/ILTS/TOEFL (Englisch) erreichen möchten?

Für einen kurzen Trip nach Spanien reichen um die 250 bis 300 grundlegende Vokabeln aus, das entspricht der Grundstufe A1. Fließende Gespräche mit Einheimischen machen aber schon einen Grundwortschatz von um die 1.000 bis zu 3.000 Wörter (A2 bis B2) nötig. Wenn Sie sich fachlich korrekt im beruflichen Umfeld ausdrücken möchten oder auf erstsprachlichem Niveau kommunizieren wollen, dann stehen gut 4.000 bis 6.000 Vokabeln (C1, C2) oder mehr auf dem Lernplan.

Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen (GER) definiert drei wichtige Stufen, die in Sprachtests und Sprachzertifikaten einzeln abgefragt und nachgewiesen werden können.

Level nach GER:

  • A (ELEMENTARE SPRACHVERWENDUNG)
    - A1 (Grundstufe): Versteht einfache Sätze und kann Fragen zu Personen stellen sowie beantworten. ~ 500 Wörter
    - A2 (Vor-Mittelstufe): Kann sich in einfachen Alltagssituationen verständigen und versteht kontextbezogene Sätze. ~ 1.000 – 1.500 Wörter
     
  • B (SELBSTSTÄNDIGE SPRACHVERWENDUNG)
    - B1 (Mittelstufe): Kann die meisten Situationen (Beruf, Schule) verstehen und sich zu Interessen und eigenen Erfahrungen frei äußern. 2.000 – 2.500 Wörter
    - B2 (Obere Mittelstufe): Versteht fachbezogene Diskussionen, kann sich spontan und fließend verständigen sowie eigene Gedanken und Argumente präsentieren. 3.000 – 3.700 Wörter
     
  • C (KOMPETENTE SPRACHVERWENDUNG)
    - C1 (Fortgeschrittene): Kann sich mühelos im privaten und beruflichen/schulischen Umfeld auch zu komplexen Fachthemen verständigen, ohne ins Stocken zu kommen. 4.000 – 4.700 Wörter
    - C2 (fließend): Versteht sämtliche fremdsprachliche Konversation (schriftlich/gesprochen) mühelos, drückt sich selbst klar und sehr flüssig aus. < 6.000 Wörter

Ob im Englisch-Unterricht in der Schule, beim Erwerb des Latinums für das Medizinstudium oder im Rahmen eines lang geplanten Urlaubs: Die Vokabelmengen variieren doch erheblich. Wie können Sie die Wörter so lernen, dass Sie diese zuverlässig abrufen und bei Bedarf auch richtig einsetzen können? Das hängt stark von der Methode ab, mit der Sie Vokabeln lernen. 

So geht es: Effektive Methoden zum Vokabeln lernen

Die erste Sprache lernt jeder Mensch mehr oder weniger nebenher. Intuitiv werden Wörter, Tonalität und grammatikalische Regeln verinnerlicht, ganz ohne Vokabeln pauken und Abfragen. 

Alle folgenden Sprachen müssen im Gegensatz dazu erarbeitet werden, durch Unterricht, Auslands- und Sprachreisen und vor allem durch eins – üben, üben, üben.

Abhängig von Ihrem Lerntyp sind verschiedene Methoden dazu geeignet, Sie bei Ihrem Ziel des Sprachenlernens zu unterstützen. 

Der Klassiker: Vokabelheft und Karteikarten

Diese Methoden sind aus der Schulzeit meistens gut bekannt. 

  1. Im Vokabelheft landen meist alle neu zu lernenden Wörter, die im Unterricht gerade besprochen werden. Diese Vokabellisten werden dann in einem definierten Zeitraum wiederholt und auswendig gelernt, um bei einem Test abgefragt zu werden.
  2. Für das Karteikasten-System werden alle Vokabeln auf Karteikarten geschrieben. Vorn steht das zu lernende Wort, auf der Rückseite wird die Übersetzung notiert. Danach wandern alle Karten in einen Karteikasten und werden in kurzen Übungsintervallen stapelweise herausgeholt. Bei erfolgreich gemerkter Vokabel wandert die Karteikarte nach hinten, ansonsten bleibt sie weiter vorn in dem Bereich, der wieder und wieder durchgearbeitet werden sollte. 

Beide Systeme arbeiten vor allem mit Wiederholungen. Menschen mit einem fotografischen Gedächtnis sind hier natürlich stark im Vorteil, weil die reinen Vokabeln ohne Kontext schnell abrufbar sind. 

Welche Vorteile hat das Lernen von Vokabeln mit Vokabelheft und Karteikarten?

  • bewährte Methode
  • kann allein oder im Team genutzt werden
  • kostengünstig und einfach zu verwenden
  • ideal, um gleichzeitig schreiben und lesen zu üben (jüngere Kinder)
  • liefert eine schnelle Übersicht, wie viel Stoff noch vertieft werden muss

Welche Nachteile hat das Vokabel lernen mit Vokabelheft und Karteikarten? 

  • zeitaufwendig bei größeren Vokabelmengen
  • Vokabeln werden einzeln ohne semantischen Zusammenhängen geübt
  • kann schnell langweilig werden
  • muss stetig genutzt und erweitert werden, um aktiven Sprachwortschatz zu erhalten
  • keine integrierte Übung für Grammatik
  • kein Training für Sprachgefühl

Vorgefertigte Karten oder digitale Lernsets sind zwar schneller einsatzbereit, aber die wichtige Phase des Erarbeitens und der schriftlichen Übung beim Niederschreiben entfällt dann natürlich. 

Wenn Sie Schulkinder bei der Erarbeitung von Vokabeln begleiten, wird der Einsatz von handschriftlichen Karteikarten empfohlen. Denn natürlich wird hier Stück für Stück sowohl das Schreiben als auch das Erlernen der Wörter trainiert.

In der Erwachsenenbildung kann das Führen eines Vokabelhefts zumindest dabei helfen, einen Überblick über die Vokabelmengen zu behalten.

Gut zu wissen: 

Vokabelhefte und Karteikartensysteme sind vor allem für Menschen geeignet, die zügig größere Vokabelmengen auswendig lernen wollen.

Vokabeln lernen mit Lese-Rechtschreib-Schwäche

Für Kinder und Erwachsene mit Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) kann diese Methode gleichzeitig über- und unterfordernd sein:

  1. Unterfordernd: Karteikarten zu erstellen ist eine monotone, wenig herausfordernde Tätigkeit. Das Abarbeiten der einzelnen Karten ist relativ belohnungsarm.
  2. Überfordernd: Unerkannte Schreibfehler oder Buchstabendreher sind hinderlich beim Erlernen der richtigen Schreibweise. Gleichzeitig kostet die Erstellung weitaus mehr Zeit, wenn eine LRS vorliegt. Das kann die Motivation zum eigentlichen Lernen senken.

Viel effektiver sind multisensorische Methoden, die also gleichzeitig verschiedene Sinne ansprechen: Leises Lesen, lautes Lesen und paralleles Aufschreiben sind besser für die Integration der Vokabeln als reines stilles Ablesen. 

Lernen mit Visualisierung oder über dazugehörige Musiktexte, über Gerüche bei Zutaten und Gerichten sowie über Gesten und Bewegung sind ebenfalls hilfreich.

Schüler*innen empfinden die doppelte Belastung aus sorgfältigem Schreiben plus Auswendiglernen schnell als Überlastung. Kleinere Vokabeleinheiten, die stetig geübt werden, sind dagegen leichter zu lernen. 

Deshalb unser Tipp für Menschen mit LRS: Am besten täglich fünf bis zehn Minuten mit einer Handvoll Vokabeln üben, um am Ball zu bleiben. 

Wenn die richtige Schreibweise anfangs keine große Rolle spielt, weil der Spracherwerb vor allem für geplante Urlaubsreisen oder im Alltag zum informellen Austausch mit Kolleg*innen geplant ist, dann sind Lernmethoden mit audiovisueller Unterstützung sicher hilfreicher als klassische Vokabelhefte, Papierlisten und Karteikastensysteme.

In Vorbereitung auf schriftliche Prüfungen für Sprachzertifikate ist eine korrekte Rechtschreibung der erlernten Vokabeln allerdings unverzichtbar.

Extra-Tipp: 

Serifenlose Schriftarten sind meist einfacher zu lesen, weil sich die Buchstaben klarer voneinander abgrenzen. Comic Sans ist eine Schriftart, die häufig belächelt wird. Dabei ist sie eine der Schriftarten, die Menschen mit Lese-Rechtschreib-Schwäche oft am besten lesen können. Denn hier hat jeder Buchstabe eine eigene, unverwechselbare Form.

Um die korrekte Rechtschreibung der Vokabeln zu verinnerlichen, können gedruckte Vokabellisten und Karteikarten mit Comic Sans somit durchaus hilfreich sein. Außerdem sollte die Schrift ausreichend groß ausfallen. Platzsparende 12px sind häufig viel zu klein, um sie beim Vokabeln lernen mit LSR gut lesen zu können.

Gehirngerechte Methoden zum Lernen von Vokabeln

Sprache wird, anders als lange angenommen, nicht ausschließlich in einer einzigen Gehirnregion abgespeichert. Stattdessen sind viele Gehirnregionen aktiv, um kontextbezogene Informationen zu einer scheinbar einfachen Sache in verschiedenen Sprachen zu verinnerlichen.

Dabei spielt es auch eine Rolle, ob die entsprechende Vokabel – z.B. Apfel – gerade mit Bildern erlernt wird, ob im Unterricht vielleicht gleich ein Apfel angefasst, geschnitten, gerochen und am Ende auch gegessen wird – oder ob es sich nur um die rein logische Information handelt, dass „der Apfel“ gleichbedeutend mit dem englischen „the apple/an apple“ ist.

All diese Speicherleistung im Gehirn geschieht unbewusst. Um die Verarbeitung aber so gut wie möglich zu unterstützen, sollten verschiedene Sinne integriert werden.

Beispiel: Lernen mit allen Sinnen

In einer Französischklasse wird gemeinsam ein Rezept für Crêpes (französische dünne Pfannkuchen) recherchiert und übersetzt. Die Zutaten für den Teig müssen abgewogen und vermischt werden. Anschließend werden die Pfannkuchen gebraten – und im besten Falle danach gemeinsam verspeist.

Dabei werden alle Sinne angesprochen: Das Rezept wird gelesen, über die Zutatenmenge gesprochen und die Zutaten beim Backen in die Hand genommen. Bei der Zubereitung selbst entstehen Düfte, die den Geruchssinn anregen. Am Ende wird das Ergebnis der Kurseinheit hoffentlich auch gemeinsam verspeist.

Alle dabei erlernten und wiederholten Vokabeln werden für künftige Gespräche im Kontext Nahrungszubereitung und Lebensmittel abgespeichert – und sind damit schneller abrufbar als es willkürlich auswendig erlernte Vokabeln für beispielsweise Mehl, Zucker oder Butter wären.

Für Online-Kurse oder wenn Sie Fremdsprachen eigenständig ohne Kursunterstützung erlernen wollen, lässt sich das natürlich adaptieren: 

  • Wählen Sie zur Sprache passende Landesgerichte aus. Recherchieren Sie Rezepte und übersetzen Sie alle Zutaten. Folgen Sie den Instruktionen und kochen (oder backen) Sie das dazugehörige Gericht. Benennen Sie bei jedem Schritt die Tätigkeiten und Zutaten, die Sie verwenden.
  • Filme oder Musik in der Landessprache sorgen für die passende Unterhaltung.
  • In der aktiven Lernphase sind Post-its mit den fremdsprachlichen Vokabeln auf den Haushaltsgegenständen, in der Küche, im Bad oder im Wohnraum hilfreich. Für jedes verinnerlichte Wort kann das Post-it abgenommen werden, bis am Ende keine mehr übrig sind.

Was hier passiert: Sie üben einzelne Vokabeln in einer konkreten Situation, die alltagstauglich ist und jederzeit wiederholt werden kann. Im Gehirn tragen die verschiedenen gleichzeitig angesprochenen Sinne dazu bei, dass die verwendeten Vokabeln mehrfach Kontext erhalten. Sie werden also nicht nur gespeichert, sondern sind auch besser abrufbar, denn die Verknüpfung aus Zutaten, Küchentätigkeiten und finalem Gericht schafft einen umfassenden Sinnzusammenhang für die einzelnen Vokabeln.

Die Birkenbihl-Methode: Gamechanger für das Sprachenlernen?

Die bereits verstorbene Managementtrainerin, Autorin und Rednerin Vera Birkenbihl ist vor allem für ihre amüsanten Redenausschnitte bekannt, in denen sie das Gehirn und gängige Denkweisen auseinandernahm.

Sie hat allerdings auch eine Methode zum Erlernen von neuen Sprachen entwickelt! Ihr System besteht aus vier konkreten Schritten:

  1. Decodieren 
    Ein Satz in der Zielsprache wird übersetzt – und zwar so, wie er dort steht, ohne Beachtung von grammatikalisch notwendigen Satzumbauten. Dabei soll das Gehirn intuitiv begreifen, wie die Sätze in der zu erlernenden Sprache aufgebaut sind.

    Beispiel: 
    (englisch) My dog ate the homework.
    (deutsch) Mein Hund gefressen die Hausaufgaben.
  2. Aktiv hören
    Dafür wird ein Text in Originalsprache angehört und parallel gelesen. Das Gehirn verknüpft so das gesprochene Wort mit dem schriftlichen Äquivalent. Neue Vokabeln sollten im Geiste wiederholt werden. Dafür darf der Ton gern so oft wie nötig unterbrochen und gestartet werden, bis die Stopp-Taste gar nicht mehr benötigt wird.
  3. Passiv hören
    Wer Podcasts oder Hörspiele liebt, der wird auch diesen Schritt zu schätzen wissen. Denn hier dürfen Aufnahmen mit passenden Vokabelinhalten passiv neben anderen Tätigkeiten angehört werden. Das Ziel dahinter ist, sich auch unbewusst auf die Sprachmodalität und die kontextbezogene Verwendung einzelner Vokabeln einzulassen.
  4. Aktives Anwenden der Sprache 
    Nun geht es ans Sprechen, unter anderem mit der „Chor-Methode“: Hier wird der originalsprachliche Text leise angehört und parallel laut selbst nachgesprochen. Sprach-Tandems zum aktiven Üben, Übungstexte übersetzen oder im Lieblingsrestaurant in der Landessprache bestellen, gehören ebenfalls zu den Möglichkeiten, mit denen die neu erlernte Sprache eingebracht werden kann.

Wichtig:

Diese Form des Vokabellernens benötigt wesentlich mehr Zeit, als der Lernplan der meisten Schulen oder Sprachinstitute nicht unbedingt hergibt. Sie bietet aber gute Punkte, mit denen sich der Sprachstand aktiv weiterentwickeln lässt oder um zu verhindern, dass die Sprachkenntnisse nach dem Abitur mangels Nutzung gleich wieder verschwinden.

Lerntipp: Faltblattmethode

Wenn Sie vor allem über wiederholtes Aufschreiben leichter Vokabeln lernen, probieren Sie die Faltblattmethode aus. 

Dafür legen Sie ein DIN-A4-Papier quer aus und schreiben an den linken Rand eine Liste an Vokabeln – direkt daneben mit etwas Abstand folgt die Übersetzung. Falten Sie das Paper nun so, dass die erste Liste verdeckt nach unten zeigt – wie bei einem Faltflyer. Neben die noch sichtbare Liste an übersetzten Wörtern schreiben Sie jetzt wiederum die Übersetzung. Falten Sie die Liste wieder nach hinten. Am Ende finden sich auf dem Faltblatt mehrere Listen mit den gleichen Vokabeln – jeweils in der zu erlernenden Sprache und in der Übersetzung. Das wiederholte handschriftliche Notieren der Vokabeln unterstützt den Lernprozess ebenso wie das händische Falten und Umklappen des Papierblatts. Es werden so gleich mehrere Sinne angesprochen.

Lernen von Vokabeln mit Gesten

Einen ähnlichen, integrativen Ansatz verfolgen Lernprogramme, die das Erlernen von Vokabeln mit Gesten oder Bewegungsfolgen verknüpfen. Dabei wird mit jeder neuen Vokabel eine bestimmte Bewegung mit der Hand ausgeführt. Im Gehirn sind die Zentren für Bewegung (Motorik) mit den Zentren für Kognition (Denken) eng verschränkt. Werden beide gleichzeitig angesprochen, steigt die Erinnerungsleistung.

Tipp:

Gesprochene Vokabeln lassen sich auch beim täglichen Spaziergang oder auf dem Weg zu Schule und Arbeit anhören. Als Fortgeschrittene setzen Sie vielleicht eher auf muttersprachliche Podcasts oder Hörbücher, um den Wortschatz stetig zu erweitern.

Sind Filme oder Bücher hilfreich beim Fremdsprachenlernen?

Ja, absolut! Filme oder Serien im Original, anfangs auch gern mit Untertiteln, unterstützen Sie beim Erlernen einer neuen Sprache.

Videos, Bücher und Hörbücher/Podcasts eignen sich besonders dazu,

  • unbewusst die Tonalität und Sprachmodalitäten der neuen Sprache zu erfassen,
  • Einblicke in Aussprache und Wortverwendung in unterschiedlichen Kontexten (inklusive Dialekt/Slang) zu erhalten,
  • flüssige Dialoge und alltagstaugliche Situationen zu beobachten.

Jüngere Schulkinder lassen sich mit einer Folge ihrer Lieblingsserie leichter zum Lernen motivieren. Untertitel helfen beim Verständnis und trainieren zugleich die Lesekompetenz. 

Für Jugendliche sind unterschiedliche Sprachen, insbesondere Englisch, meist Teil ihrer Gaming-, Streaming- und Social-Media-Timeline. Das macht es leichter, hier anzuknüpfen und bewusst das Schwierigkeitslevel durch neue Serien oder durch das Anhören verschiedener Dialekte zu erhöhen.

Tipp:

Exakte Vokabellisten werden über diese Methode natürlich nicht abgearbeitet. Deshalb ist der Serienmarathon der Lieblingssendung in der Zielsprache eine ergänzende Maßnahme, die besser mit anderen Lernmethoden für anstehende Lernstandserhebungen kombiniert wird.

Digitale Lösungen: Apps zum Vokabeln pauken

Apps sind gut geeignete digitale Hilfsmittel, um Vokabeln zu lernen. Dabei werden ganz unterschiedliche Methoden eingesetzt, um die einzelnen Wörter effektiv im Gehirn zu verankern.

Interaktive Dialogmodelle setzen vor allem darauf, dass Sie im Anwendungsfalle passende Phrasen parat haben. Dabei werden oft Alltagssituationen durchgespielt, bei denen kurze unverbindliche Dialoge geführt werden: 

(Deutsch)

„Hallo, ich möchte gern ein Ticket für den Bus kaufen.“ 
„Hier ist ihr Ticket. Benötigen Sie noch etwas anderes?“ 

(Bulgarisch)

„Здравейте, бих искал да си купя билет за автобуса.“ 

„Ето вашият билет. Имате ли нужда от нещо друго?“

Der Nachteil dieser Methode: Alltagssituationen laufen nur selten so ritualisiert ab. Muttersprachler*innen sind zudem häufig schwerer zu verstehen, vor allem wenn man die Vokabeln überwiegend in schriftlicher Form eingeübt hat.


Schreibbasierte Modelle bieten Lückentexte an, die auch aus dem Schulunterricht bekannt sind. Für jüngere Kinder bieten sich App-Systeme an, die mit einem digitalen Eingabestift arbeiten. Dieser Stift kann auf klassischen Papier verwendet werden, sodass neben der App auch gleich die handschriftliche Liste im Vokabelheft gepflegt wird.

Sprachbasierte Apps setzen dagegen eher auf die Aussprache und Hörverstehen. Dafür wird meist ein Satz angeboten, der per Smartphone-Mikrofon eingesprochen wird. Anschließend wird das Gesagte korrigiert oder – bei passender Aussprache – der nächste Satz ausgespielt. Audioaufnahmen mit Muttersprachler*innen sorgen dafür, dass Sie ein besseres Hörverständnis entwickeln.

Welche sind die besten Apps zum Vokabeln lernen?

Das Angebot für Sprachlern-Apps ist groß und richtet sich an ganz unterschiedliche Zielgruppen. Die meisten Anbieter bieten einen Testzeitraum an, mit dem sich die Funktionen ausgiebig austesten lassen.

Wichtig:

Apps ohne Kurssystem dahinter sind nur so gut wie die Motivation desjenigen, der sie benutzt. Lässt die Begeisterung nach und werden die Lektionen nicht regelmäßig absolviert, dann stellen sich auch keine Erfolge bei den zu lernenden Vokabeln ein. Das ausschließliche Sprachenlernen über Apps ist deshalb eher für Menschen geeignet, die sich selbst ausreichend motivieren können.

Lernen über Apps hat auch Vorteile: 

  • zeitlich und örtlich flexibel
  • meist gehirngerechte, interaktive Angebote
  • moderne Lernumgebung (im Vergleich zu Karteikasten und Lehrbuch)

Besser lernen: Strategien und Techniken im Fremdsprachenerwerb

Schritt 1: Vokabeln erarbeiten

Im ersten Schritt darf es immer darum gehen, die Vokabeln kennenzulernen. Worum geht es also gerade im Kapitel des Schulbuchs, was ist das Ziel der Lektion im Sprachkurs? 

Dafür können Sie die Vokabeldusche nutzen: Vokabeln im Kontext anhören, ansehen und je nach vorhandenem Sprachverständnis auch im Zusammenhang über Videos/Filme und Serien erleben.

Beispiel: Im Schulunterricht wird häufig ein Audio-Text zusammen mit einem Zeitungsartikel oder einem kurzen Brief an den Beginn der Unterrichtseinheit gestellt. Diese Vokabeldusche soll auf das Thema einstimmen und die neuen Wörter vorstellen.

Danach folgt das Vokabeln strukturieren: Die Systematisierung kann nach Klang, nach Länge, nach Kontext oder danach, wie viele vertraute ähnliche Wörter bereits beherrscht werden erfolgen. 

Beispiel: Die englische Vokabel für Birne (pear) ist neu, vertraute Wörter mit ähnlichem Kontext bestehen aus verschiedenen Obst- und Gemüsesorten. Beim Kategorisieren zeigt sich, dass das englische Wort für Erbse (pea) ganz ähnlich klingt und fast gleich geschrieben wird.

Zusätzlich gibt es die Option, Memotechniken anzuwenden: Eselsbrücken, Bilder oder Reime sind optimale Hilfsmittel, um sich Vokabeln schneller zu merken.

Beispiel: Im spanischen bezeichnet la falda ein Kleidungsstück, nämlich für der Rock. Mit dieser Eselsbrücke hier merkt sich die Vokabel etwas leichter: „Mein Rock hat Falten.“

Visuelle Lerntypen erarbeiten sich die Vokalen schneller über Mindmaps oder Zeichnungen: Dafür können Sie sich Mindmaps anfertigen, die die Wörter systematisieren oder Sie erstellen Collagen, auf denen die Wörter neben passenden Grafiken und Bildern stehen.

Schritt 2: Regelmäßig Abfragen

Täglich fünf Minuten, um die anstehenden Vokabeln abzufragen, kann bei kleineren Wortmengen schon völlig ausreichend sein. 

Kurze Einheiten mit überschaubaren Wortmengen sind vor allem für jüngere Kinder weniger frustrierend als umfangreiche Wortlisten, die entsprechend lang wiederholt werden müssen.

Als Faustregel gilt: Maximal sieben neue Vokabeln pro Tag, die zu den wiederholenden Vokabeln hinzukommen dürfen. Kürzere und kleine Lerneinheiten stärken die Konzentration auf das Themenfeld, ohne das die Motivation allzu schnell nachlassen kann.

Wichtiger als lange Vokabellisten ist eine regelmäßige Beschäftigung mit den Wortfeldern, damit die Informationen langfristig im Gehirn abgespeichert werden. 

Tipps fürs alleine lernen: 

Nehmen Sie die Vokabeln per Sprachmemo am Handy auf. Wenn Sie dabei kurze Lücken zwischen den Vokabeln lassen, können Sie die Aufzeichnung an den nächsten Tagen gleich als Abfragehilfe nutzen, indem Sie die Lücken beim Anhören aktiv selbst in der Übersetzung mitsprechen.

Die eigene Stimme in einer neuen Sprache zu hören ist anfangs recht gewöhnungsbedürftig. Diese Sprachmemos helfen Ihnen dabei, sich zum einen aktiv an das Sprechen der Vokabellektionen zu wagen, zum anderen wird gleichzeitig Ihr Gehirn darauf trainiert, den frisch erworbenen Wortschatz in der eigenen Stimme zu hören. Das senkt die Barriere, frei in der gewählten neuen Sprache zu sprechen.

Schritt 3: Tests absolvieren

Wenn Sie Vokabeln für konkrete Ziele wie eine Sprachstandserhebung für die Schule oder Uni lernen, müssen Sie früher oder später das Erlernte sowieso in Testsituationen umsetzen. Viele Schulbuchverlage und Online-Fremdsprachlehrgänge bieten deshalb passende Tests zum Download oder gleich als Online-Test an.

Notieren Sie sich am Ende der Übungstests, welche Vokabeln noch nicht so ganz sicher abrufbar waren, sodass Sie diese Vokabeln vor der nächsten Kontrolle verstärkt wiederholen können. 

Schritt 4: Üben, üben, üben

Im Laufe der Zeit wächst die Menge an Vokabeln immer weiter an. Alte und neue Vokabeln zu mischen sorgt dafür, dass auch vor längerer Zeit erlernte Wörter präsent bleiben und nicht gleich wieder in Vergessenheit geraten.

Hilfsmittel zum Dranbleiben

  1. Post-its mit Vokabeln auf häufige Alltagsgegenstände kleben, sodass sie immer im Blick bleiben. Collagen an den Zimmerwänden eignen sich auch fabelhaft, um vor größeren Klassenarbeiten die Themengebiete anschaulich zusammenzutragen.
  2. Übt die ganze Familie eine Fremdsprache für den kommenden Urlaub, dann lassen sich kleine Alltagskonversationen auch in der Sprache meistern. Statt auf Deutsch wird dann beim Abendessen auf Englisch, Spanisch, Italienisch oder Koreanisch um das Salz oder die Butter gebeten.
  3. Im beruflichen Kontext lassen sich oft Sprachtandems bilden: Eine Kollegin will die deutsche Sprache erlernen, während Sie beispielsweise Englisch häufiger und sicherer einsetzen möchten. Als Sprachtandem tauschen sie sich dann aktiv in der jeweils zu übenden Sprache aus. Die Kollegin schreibt E-Mails auf Deutsch, Sie rufen Sie zurück und klären die Punkte in Englisch.
  4. Nutzen Sie kleine Lücken im Alltag zum Lernen und Wiederholen. Beispiel: Die Wartezeit beim Abholen der Kinder von der Schule oder dem Sport reicht meistens, um eine kurze Vokabelliste durchzugehen. Die Verspätung der Bahn kann mit einer Lektion im Sprachtrainer gut genutzt werden. Das aktive Lernen neuer Wörter kann auch Teil der Morgenroutine werden, neben Kaffee und Frühstück läuft dann die passende App mit einer neuen Einheit. Das richtige Zeitmanagement ist entscheidend, um diese Lücken aktiv und effektiv zu nutzen.

Tipp für den beruflichen oder professionellen Alltag

Haben Sie einige Ausdrücke oder Wörter im Gespräch mit einer Kollegin oder einem Kollegen nicht so ganz verstanden – oder waren sie ganz neu? Notieren Sie sich diese Phrasen am besten im Anschluss an das Meeting und bauen Sie sie in den kommenden Tagen bewusst mehrfach in Gespräche ein. So erweitert sich Ihr Sprachschatz kontextbezogen kontinuierlich weiter.

Fazit

Vokabellernen ist unverzichtbar, wenn Sie eine neue Sprache erlernen möchten. Das fällt aber nicht immer leicht.

  • Dabei sind verschiedene Methoden möglich, die sowohl auf schriftliche Wiederholungen als auch auf audiovisuelle Unterstützung setzen.
  • Gehirngerechtes Vokabellernen bedeutet, dass Sie möglichst kontextbezogen und mit allen Sinnen neue Wörter lernen.
  • Regelmäßiges Üben und Wiederholen ist nötig, damit die Vokabeln im Langzeitgedächtnis abgespeichert werden.
  • Damit Sie später keine Scheu vor dem aktiven Sprechen haben, können Sie schon beim Vokabel lernen mit einigen Methoden vorbeugen.

Häufige Fragen

  • Warum ist Vokabeln lernen oft so schwer?

    Fünf typische Gründe, warum Vokabeln zu lernen zunächst schwerfällt: 

    1. Vokabeln werden isoliert gelernt, d.h. ohne Kontext.
      Gehirngerechter sind Methoden, bei denen die Vokabeln in Sätzen oder situationsbezogen eingeprägt werden.
    2. Vokabeln werden nicht oft genug wiederholt.
      Um dauerhaft im Langzeitgedächtnis abgespeichert zu werden, sind häufige Wiederholungen nötig. Entfällt dieser Schritt beim Lernen, dann stuft das Gehirn die Information als weniger relevant ein – und die Vokabeln werden nicht gespeichert.
    3. Es stehen zu viele Vokabeln in zu kurzer Zeit auf dem Programm.
      Wenn zu viele Vokabeln in einem knappen Zeitraum gelernt werden sollen, kann das schnell die Grenzen der Aufnahmefähigkeit sprengen. Das Gehirn verarbeitet nur kleinere Informationseinheiten, nicht aber die ganze Liste. Das kann frustrierend sein und die Motivation zum Weiterlernen senken.
    4. Der praktische Bezug für den Alltag fehlt.
      Theoretische Gesprächsverlaufe spiegeln kaum den realen praktischen Einsatz von Sprache wider. Je weiter der Lernprozess zum Spracherwerb von der späteren Nutzung ist, desto weniger lassen sich Vokabeln dauerhaft abrufen und im Gespräch einsetzen.
    5. Der Alltag an sich ist zu fordernd.
      Wenn der Alltag herausfordernd ist, kommt das Gehirn mit der Verarbeitung nicht optimal hinterher. Ein stressiger Tagesablauf sowie Prüfungswochen in Schule oder Studium wirken sich negativ auf die Aufnahmekapazitäten des Gehirns aus. Aber: Mit den passenden Strategien und ausreichend Erholungszeiten lässt sich das wieder ausgleichen!
  • Gibt es Alternativen zum Karteikastensystem beim Vokabeln lernen?

    Ja, die gibt es. Unter anderem eignen sich auch diese Methoden, um Vokabeln sicher zu lernen: 

    • Mindmapping und Collagen zur Visualisierung von Begriffen
    • Kontextualisierung der Wörter in Form von originalsprachlichem Material (Filme, Serien)
    • Wortlisten mit der Faltkartenmethode wiederholen
    • Audios mit den Vokabeln aufnehmen und wiederholt abspielen/parallel übersetzen
    • Apps mit Dialogfunktion, die Vokabeln abfragen

    Eine Mischung aus handschriftlichen Listen der Vokabeln mit audiovisueller Unterstützung hilft dabei, die Wörter in einen Kontext zu setzen. Das erleichtert das Lernen und Speichern der Wörter im Gehirn. Welche Methode dabei besonders wirksam ist, hängt stark von den persönlichen Lernvorlieben ab.

  • Wie viele Vokabeln kann man am Tag lernen?

    Als Faustregel gilt, dass sich das Gehirn maximal sieben neue Dinge pro Tag merken kann. Das schließt auch Vokabeln mit ein. Sicher verankern lassen sich diese sieben Vokabeln pro Tag aber am besten, indem sie regelmäßig wiederholt werden. Idealerweise täglich!

  • Wie kann ich nachhaltig Vokabeln für den Urlaub lernen?

    Ideal ist eine Mischung aus kontextbezogenem Lernen, bei dem passende Vokabeln für den geplanten Trip und die Region zusammengestellt werden. 

    Beispiel: Im Hochsommer in Spanien oder Italien werden Sie eher nach Eis, dem Pool/Strand oder Wasser fragen müssen, während in Island wetterfeste Kleidung auf dem Einkaufsplan im lokalen Geschäft stehen könnte. 

    Zusätzlich eignen sich originalsprachliche Audioaufnahmen, Videos, Podcasts oder Hörbücher, um ein gutes Gefühl für die neue Sprache und die Tonalität zu erhalten.

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